Kunst und Kultur haben mein Leben geprägt. Sie haben mir viele Wege eröffnet, neu zu denken und andere Erfahrungsräume zu öffnen – und das gilt für alle Sparten.
Über viele Jahre hinweg konnte ich wichtige Kultureinrichtungen leiten und mit Künstlerinnen und Künstlern direkt zusammen arbeiten.
„Was, wenn nicht Einüben von Freiheit als eine Form von Leben, ist Kunst“ – lautet ein mir wichtiger Satz des Esslinger Autors Kurt Leonhard. Einüben von Freiheit als eine Form von Leben: gerade jetzt scheint mir das besonders wichtig.
Aber Kunst und Kultur gehören auch zu den wichtigen gesellschaftlichen Bereichen, die aktuell in vielen Kommunen in Baden-Württemberg gerade aufgrund der sehr angespannten Haushaltslage unter Druck geraten sind. Dabei wurde nicht erst in der Pandemie deutlich, wie wichtig und relevant die Arbeit von Künstlerinnen, Künstlern und Kultureinrichtungen für uns als Gesellschaft ist. Ich bin dankbar, dass es kurzfristig gelungen ist, dass wir als Land Verantwortung übernehmen konnten und unsere Zuschüsse verlässlich sichern konnten.
Klar ist aber, gerade in der Kulturförderung kommen schwierige Zeiten auf viele im Land zu, denn die finanzielle Lage vieler Kommunen wird vorläufig angespannt bleiben und hier die liegt in Deutschland die Hauptverantwortung für die Finanzierung im Bereich Kunst und Kultur. Es wird also darum gehen, die faszinierende Qualität und Vielfalt, die wir in Baden-Württemberg kennen, abzusichern, die soziale Lage von freien Kulturschaffenden stärker in den Blick nehmen und die kulturelle Teilhabe als Zugang für alle weiter zu stärken.
Baden-Württemberg hat in den Städten und den ländlichen Räumen ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Kulturangebot in allen Sparten – sowohl im professionellen als auch im Amateurbereich. In den vergangenen Jahren konnten wir im grün geführten Kunstministerium die Förderung im Kulturbereich deutlich ausbauen, Gewachsenes absichern und Neues ermöglichen. Dabei haben wir unter anderem Schwerpunkte in den Bereichen Digitalisierung, Film und Pop, Kulturelle Bildung und Aufarbeitung des kolonialen Erbes gesetzt, aber auch für die Amateurmusik starke Zeichen gesetzt. Schnittstellen zur Wissenschaft haben wir zum Beispiel im Naturkundemuseum in Stuttgart ausgebaut. Dabei zeigt sich: das publikumsstärkste Museum im Land ist zugleich in der Forschung ein international wichtiger Partner. Beides ist möglich und machbar.
Kulturförderung stärkt die Kreativwirtschaft, in der enormes Potenzial steckt: von der Filmakademie über einschlägige Studiengänge an unseren Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bis hin zu einer starken Medien- und Filmfördergesellschaft, deren Engagement wir ausgebaut haben. Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden strukturell mitgedacht. Baden-Württemberg hat die Pionierrolle bei den Themen „Green Shooting“ und „Green Culture“ inne. Durch bundeseinheitliche Standards sowie den ebenfalls von Baden-Württemberg entwickelten CO2 -Rechner für Kultureinrichtungen können gezielt Maßnahmen umgesetzt werden.
Strahlkraft für alle geht auch von unseren großen Staatstheatern oder Landesmuseen aus. All das ist nicht selbstverständlich, sondern muss weiter engagiert unterstützt werden, denn gerade in er Kultur gilt, dass Breite und Spitze einander bedingen.
Kultur lebt von der Vielfalt und der Arbeit in der freien Kunstszene.
Dabei spielen auch in der Kultur verstärkt fächerübergreifende Querschnittsthemen eine wichtige Rolle, wie Diversität, Teilhabe, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, kulturelle und interkulturelle Bildung.
Mit unserem Einsatz für die Aufarbeitung des Kolonialen Erbes in den Sammlungen unserer Museen und Universitäten unter anderem im Rahmen der interdisziplinären Namibia-Initiative sind wir bundesweit Vorreiter. Mir ist wichtig, dass wir diesen Weg konsequent weitergehen.